Die "Tönnenden Stolpersteine". Wie man in Deutschland die Opfer des Nationalsozialismus nie vergisst.

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Zum 80. Jahrestag der Reichskristallnacht wollen wir mit euch einige interessante Informationen darüber teilen wie Deutschland die schrecklichen Ereignisse der Pogromnacht 1938 in Erinnerung beibehält, wie man über die Ursachen nachdenkt, die zum Sieg des Antisemitismus über dem gesunden Menschenverstand und Menschlichkeit geführt haben. Und auch darüber warum sich zur Zeit ähnliche Stimmungen in der deutschen Gesellschaft verbreiten.

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In den letzten Jahrzehnten hat sich in Deutschland eine Kultur der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und dessen Opfer entwickelt. In Berlin gibt es zahlreiche Denkmäler für unterschiedlichen Kategorien der Opfer. Sie stehen in der Nähe von Reichstag und dem Brandenburger Tor. Dazu gehören: das Denkmal für die in Europa ermordeten Juden, das Denkmal für die von Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma, das Denkmal für die ermordeten Abgeordneten (Kommunisten und Sozialdemokraten) des Bundestages, das Denkmal für die Sexualminderheiten die im Nationalsozialismus Verfolgungen erlitten haben, das Denkmal für die Menschen die nach dem nationalsozialistischen Programm "Euthanasie", bekannt unter dem Namen T4, ermordet wurden.

Es gibt auch zahlreiche andere Denkmäler, zum Beispiel an Bahnhöfen, von denen Eisenbahntransporte in die Konzentrationslager abgingen. Das Ziel in ganz Deutschland ist die Ereignisse und die Opfer des Nationalsozialismus in Erinnerung zu behalten. Dazu entstand das Projekt der sogenannten Stolpersteine.

Stolpersteine sind in die Erde eingebauten Steine mit Metaltafeln vor der Haustür der Opfer, auf denen der Vor- Und Nachname sowie das Geburtsdatum des Menschen steht, der in dem Haus gelebt hat, und das Datum seiner Deportation und das Datum seines gewaltsamen Todes (in den meisten Fällen steht auch der Name des bestimmten Konzentrationslager drauf, meistens ist das Ausschwitz-Oswenzim). Vor 4 Jahren hat ein Geigenspieler aus Bochum Mischa Nodelmann eine Art Ergänzung zu den Stolpersteinen vorgeschlagen.

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Er ist ein Schüler von dem berühmtem Musikpädagogen Zachar Bronn, der 1999 aus St Petersburg nach Deutschland ausgewandert ist. Und zwar macht er regelmäßig ein Flashmob mit seinen Kollegen und spielt Geige neben einem der Stolpersteine und nimmt das Ganze auf Videokamera auf und zeigt es dann online auf Facebook. Die Flashmobs von Mischa Nodelmann beginnen damit dass Kinder die Metaltafeln putzen und anschließend spielt Mischa allein oder mit Kollegen Geige als Andenken an die Opfer. Dieses Projekt hat den Namen "Tönende Stolpersteine " bekommen. Auf der Webseite des Projekts wird videodokumentiert. Mischa und seine Kollegen spielten auch schon beim Anbringen der neuen Stolpersteine, von denen es mittlerweile um die 70 Tausend auf der ganzen Welt gibt. Sie alle hat der Ideenautor Gunther Demnig gemacht.

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ch habe das Gespräch mit Mischa Nodelmann mit der Frage angefangen wie sein Projekt entstanden ist.

- Seit über 4 Jahren musizieren meine Freunde und ich spontan neben den Stolpersteinen, um neben diesen recht kurzen stillen Aufzeichnungen eine Art modernes Ereignis zu organisieren, damit die Passanten die die Live Übertragung auf Facebook sehen über uns "stolpern" und schenken ein paar Minuten ihrer Aufmerksamkeit und gedenken einem Menschen, dessen Schicksal sich hinter der kurzen Aufschrift auf der Metalltafel verbirgt. Der Hintergedanke ist dass eine Geige hat man als Musiker immer dabei, man müsse sie nur in die Hand nehmen und spielen... Für mich ist dieses Projekt eine sehr persönliche Geschichte. Ich habe eine wunderbare Frau, die meine Sicht teilt, sie ist eine tolle Musikerin, Pianistin, wir spielen viel zusammen. Wir haben drei Kinder. Vielleicht deswegen fühle ich mich so stark mit dem was in der Gesellschaft in Europa und in Russland auf sozialer und politischer Ebene passiert so stark verbunden. Wenn man Kinder hat, denkt man oft darüber nach was für eine Welt wir für Sie hinterlassen.

Ihr Großvater, soweit ich weiss, hat in Deutschland gelebt...

- Ich bin Geigenspieler in der dritten Generation. Ja, mein Großvater Naum Nodelmann war Geigenspieler und wurde zusammen mit seiner Schwester in Kiew in der Familie eines Schneiders namens Leiba geboren. Mein Großvater mochte Musik sehr gerne, seine Kinder lernten Musik spielen, und ab einem gewissen Zeitpunkt konnte er sich das leisten seine Kinder nach Berlin zu schicken, um Musik zu studieren. Sie blieben dort und fingen an in Berlin zu arbeiten. Naum hatte einen kleinen Kammerorchester und bis 1935 lebte er mit seiner Schwester in Berlin. Er hatte Glück, denn ein Freund von ihm namens Max arbeitete bei der Polizei und er hat mehrmals Naum gewarnt, dass die Situation in Deutschland sich verschlimmert und er am besten wegfahren soll, denn es ist nichts Gutes zu erwarten für ihn in Deutschland. Irgendwann sagte Max zu ihm, " Wenn du nicht sofort wegfährst, dann wird es bald zu spät sein." Also fuhren sie weg. Rosa in die USA, Naum nach St. Petersburg. Seinen Sohn, meinen Vater, nannte er Max, nach seinem deutschen Freund und Retter. Also heisse ich Michail Maxovich. Naum und Rosa haben sich viele Jahre Briefe geschrieben, gesehen haben sie sich aber nie mehr. Das alles erzählte mir Mischa Nodelmann.

Nodelmann führt in Deutschland eineTradition der Aufrechterhaltung des Andenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

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Zur Zeit kommen aber Politiker an die Macht, denen diese Tradition nicht gefällt und am liebsten würden sie sie vernichten. Einer von den heisst Björn Höcke ist Vertreter von der "Alternative für Deutschland" (AfD). In einem seiner Auftritte nannte Höcke das Berliner Denkmal für die in Europa ermordeten Juden "eine Schande für Deutschland". Die Vertreter der Gruppe von Aktionsmaler Marius Enden und Jenny Molly aus dem "Zentrum für politische Schönheit" haben ein Haus und Grundstück neben dem Haus von Höcke in der Gemeinde Bornhagen (Thüringen) gemietet und haben auf ihrem Grundstück direkt von Höckes Haus gegenüber eine genaue Kopie des Berliner Denkmals hingestellt. Nun kann Höcke es täglich aus seinem Fenster sehen. Den Aktionsmalern wurde es gedroht, insbesondere waren es die Ortsbewohner, die Höcke unterstützen. Aber laut dem Gerichtsurteil darf niemand das Denkmal abmontieren. Selbst wenn man es dürfte, ist es auf Grund der Schwere der Betonblöcke technisch nicht möglich.

Trotzallerdem kämpft die "Alternative für Deutschland" für die Änderung der Ansehensweise der deutschen Vergangenheit. Einer der Personen in führenden Positionen dieser Partei Alexander Gauland sagte 12 Jahre des Nationalsozialismus seien "nur eine Kleinigkeit" in der prachtvollen Geschichte des Landes. Für viele ist es offensichtlich, dass die Aussage von Gauland ein Aufruf zum Vergessen des Nationalsozialismus sei, seiner Verbrechen und am meisten steuert es zum Vergessen des Holocaustes entgegen. Deshalb werden in Deutschland Möglichkeiten der offiziellen Überwachung über den Mitgliedern der Partei diskutiert, die das Amt für Schutz der Verfassung ausführen soll.

Es wurde in Deutschland auch schon darüber gesprochen, den 9. November (Christallnacht) als ein Nationalgedenktag festzulegen.

Quelle: Yuri Welcher, Das Gedenken Deutschlands. Zum 80.Jahrestag Der Christallnacht. (Ein Projekt von Radio Svoboda)
Eine Ausstellung der Stolpersteine in Berlin: withberlinlove.com/stolpersteine-in-berlin 

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